Jürgen Böttcher, genannt STRAWALDE

Jürgen Böttcher, genannt STRAWALDE

Der Maler Strawalde


"Die Begegnung mit dem Werk des 59jährigen Künstlers Jürgen Böttcher führt in die Dramatik der dicht an die Person und das Umfeld gelagerten Ereignisse jüngerer Geschichte.
Das Geburtsjahr 1931 und das Geburtsland legten den äußeren Rahmen der Biographie fest. Zwei Jahre nach seiner Geburt begann der Nationalsozialismus seine militante Ideologie zur wahnerfüllten Konsequenz zu treiben. Das Kind weiß nicht zu benennen, was prägend haften bleiben wird. Erst der Erwachsene nähert sich seinem Ursprung. Was immer ihn bewegt, künstlerische Äußerungen sind seit früher Kindheit wichtigstes Mittel der Selbstfindung. Der Erfindungsreichtum der Kunst Jürgen Böttchers, der sich als Maler Strawalde nennt, wurzelt in der harmonischen Erlebnissphäre des Kindes. Diese Harmonie schließt den Schmerz ein. Die kindliche Ich-Behauptung ist in ihren vielfältigen Beziehungen unmittelbar und ohne Verstellungen. Jede Hinwendung ist Wunder. Störungen durchtrennen dieses sensible Gespinnst der Bewußtwerdung schmerzhafter und versenken sich unkorrigierbar in die Seele. Glückliche Tage, oftmals nur Stunden, idealisieren später in der Erinnerung die Kindheit als schmerzfreien Raum. Dieser wirklichen Erfahrung des schmerzfreien Raumes steht als Pendant tiefempfundenes Leid gegenüber. Erst in ihrer Einheit bilden sie die Voraussetzung wirklicher Harmonie, der Dekoration und Larmoyanz fremd sind.
Als die Familie sich 1937 in Strahwalde, einem Dorf unweit von Herrnhut in der Oberlausitz, niederläßt, ist das Spiel in der Landschaft, die kindhafte Übereinstimmung mit der Natur noch zeitloses Glück. Der Vater liebt Holzhäuser. Das Material überträgt die Schwingungen des organisch Gebauten. Die dörfliche Behaustheit ist dem kindlichen Geborgenheitswunsch näher als die Unwirtlichkeit der großen Städte. Das Entdecken der Welt beansprucht alle Sinne. Die Musikalität der Mutter lagert sich intuitiv als rhythmische Empfindung der Natur in die Seele. Der Maler und Zeichner profitiert davon..."
(Eugen Blume, in "STRAWALDE", 1999)


siehe: http://www.strawalde.de/katCtex.htm